Workshop 22
Ethnologische Transnationalismusforschung II:
“Simultaneous incorporation revisited”: Erfolgreiche Aneignung und leidvolle Brüche im transnationalen Raum
AG Migration
Die Entdeckung der simultanen Integrationsleistungen und –strategien von MigrantInnen in transnationalen Räumen, das heißt ihr oftmals gleichzeitiges Agieren in mehreren Gesellschaften und Kulturen, bringt spezifische Status-Paradoxien und psychosoziale Anforderungen mit sich, die von Akteuren und Gruppen sehr unterschiedlich bewältigt werden.
Dabei ist zu beobachten, dass nicht nur kreative und erfolgreiche Aneignungsstrategien im transnationalen Raum existieren, sondern dass auch leidvolle Erfahrungen von mehrfacher Desintegration und Identitäts-Brüchen artikuliert werden.
Insbesondere in Forschungen zu diversen Phänomenen der Remigration - sporadische Heimkehr, Pendelmigrationen, erzwungene oder freiwillige Rückkehr, imaginäre bzw. stellvertretende Rückkehr - treten diese Sachverhalte der Ambivalenz, der fragmentierten Identität oder des Statusverlusts verstärkt zu Tage: Die Akteure sind hier vermehrt mit den Realitäten ihrer Herkunftsländer konfrontiert bzw. umso mehr herausgefordert, Anforderungen der Herkunftsgesellschaft mit denen am neuen Standort zu vereinbaren. Deshalb sollen im Workshop ethnografische Fallstudien oder theoretische Reflexionen präsentiert werden, die diese zwei Seiten der “Medaille” von mehrfacher Integration bzw. Desintegration im Rahmen transnationalen Handelns beleuchten. Willkommen sind sowohl Ansätze der strukturellen Statusanalyse, die sich auf mehrere Bezugsgesellschaften bezieht, als auch Ansätze, die Belastungen und Grenzen des Handelns von Subjekten in transnationalen Räumen aufzeigen.
Insgesamt ist mit dem Workshop beabsichtigt, die eingefahrene Debatte um “gelungene oder verfehlte Integration” in Einwanderungsländern aus neuer Perspektive zu diskutieren, indem die Mehrfachanforderungen von transnationalen MigrantInnen thematisiert werden.
Cordula Weisskoeppel
cweisskoeppel@uni-bremen.de
Termin
Freitag, 02.10.09, 17.15 bis 19.00 Uhr / Raum 701 (Nebengebäude)
Vorträge inkl. Abstracts als pdf
Cordula Weißköppel: Einleitung
Heike Drotbohm, Institut für Ethnologie, Universität Freiburg i. Br.: Die Dezentrierung des Vertrauens. Zur Verteilung von Fürsorge und Sicherheit in parallelen transnationalen Familien
Susann Huschke, Institut für Ethnologie, FU Berlin: Wer hat Odysseus` Boot zum Kentern gebracht? Individuelle Leidenserfahrungen illegalisierter MigrantInnen im Kontext sozialpolitischer Strukturen
Cordula Weißköppel, Institut für Ethnologie, WWU Münster: Remigration als Testfall für die Vereinbarkeit von Einwanderungs- und Herkunftskultur. Kontrastive Fälle aus dem transnationalen Raum zwischen Deutschland und Sudan.