Workshop 19
Ethnologische Transnationalismusforschung I:
Formen und Praktiken transnationaler Politik
Politisches Handeln macht an staatlichen Grenzen nicht halt. Transnationale Politik, verstanden als grenzüberschreitendes politisches Handeln nicht-staatlicher Akteure, ist in vielfältiger Form zu beobachten: als long-distance nationalism, als am Herkunftsland orientierte Diasporapolitik, als transnationale soziale Bewegungen, transnationale Aktionsnetzwerke, etc. Anfangs ging die Transnationalismusdebatte davon aus, dass Transnationalismus und Globalisierung den Staat marginalisieren oder gar bedeutungslos machen würden. Inzwischen muss man aber konstatieren, dass für transnationale Politik Staaten keineswegs marginal sind: Sie stellen etwa Möglichkeiten zur Artikulation von Forderungen bereit, bieten Ressourcen und sind nicht zu letzt oft die Adressaten von transnational artikulierten Forderungen. Weiter nutzt transnationale Politik häufig Ressourcen und Spielräume der Mobilisierung aus, die in einem staatlichen Rahmen gegeben sind, in einem anderen aber nicht. Im Rahmen des Themas der DGV-Tagung stellt sich hier auch die Frage, wie sich nicht-staatliche Akteure an staatliche Kontexte „anpassen“ oder sich ihre Ressourcen „aneignen“, um sie nutzbar zu machen. Möglicherweise wird dabei die Abgrenzung zwischen nicht-staatlichen Akteuren und Staaten immer problematischer.
In Beiträgen zu diesem Workshop soll die Frage diskutiert werden, welche Praktiken verschiedene Typen von Akteuren transnationaler Politik verwenden, auf welche Ressourcen sie zurückgreifen können oder welche Strategien der Mobilisierung eine Rolle spielen. Dabei geht es auch immer wieder um die Frage nach dem Verhältnis von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren
Martin Sökefeld, Institut für Ethnologie, LMU München
Oettingenstraße 67, 80538 München
martin.soekefeld@lmu.de
Termin / Raum
Freitag, 02.10.09, 15.00 bis 16.45 Uhr / Raum 701 (Nebengebäude)
Vorträge inkl. Abstracts als pdf
Martin Sökefeld: Einleitung
Markus Höhne, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle: Transnationaler Einfluss im „staatsfreien“ Raum: Friedenskonsolidierung und Aufbau des Bildungssektors in Somaliland
Alexander Koensler, Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie, Universität Münster: Spielräume der Mobilisierung. Israelische Friedensaktivisten in Zonen politischer Reibung
Thomas Hüsken, Ethnologie, Universität Bayreuth: Transnationale beduinische Politik im Grenzland von Ägypten und Libyen