Plenarveranstaltung II
„Inszenierte Fremdheit. Das Museum als Ort kultureller Aneignungen“
Moderation: Karl-Heinz Kohl
In den letzten Jahrzehnten veränderten sich die Präsentationen von Objekten in völkerkundlichen Museen: Die alte Idee, ethnographische Objekte als Belegstücke einer fremden Kultur und ihres kulturellen „Entwicklungsstandes“ zu zeigen, wurde abgelöst von einem Konzept, das sie als Kunstwerke in ihrer Einzigartigkeit präsentiert. Die damit verbundenen Ausstellungstechniken lösen die Objekte aus ihren kulturellen Kontexten, zeigen sie häufig ohne erklärende Texte oder Fotografien und stellen ihre ästhetischen Aspekte heraus, um ihre Gleichwertigkeit mit den Hervorbringungen westlicher Kunst zu unterstreichen. Diese Veränderung konventioneller Ausstellungskonzeptionen ist als eine Neu-Aneignung der musealen Objekte zu verstehen, die den Gegenständen neue Bedeutungen zuweist. In den Plenumsbeiträgen soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Kuratorinnen und Kuratoren dieses Konzept für legitim halten und welche Grenzen sie für eine solche Praxis der Aneignung sehen. Dazu gehört z. B. die Frage, ob und in welcher Weise die entsprechenden Ausstellungstechniken mit den Betroffenen, also den Produzenten oder Nutzern der Objekte, im Vorfeld besprochen werden. Beispielsweise haben sich Museen in der jüngeren Vergangenheit oft über indigene religiöse Tabus hinweggesetzt und Konflikte schon dadurch verursacht, daß sie, dem neuen Konzept folgend, alle musealen Objekte unterschiedslos präsentierten.Eingeladene Referenten
Claus Deimel (Leipzig): Von der Schatzkammer zum Laboratorium. Über die Zukunft ethnologischer Ausstellungen
Christian F. Feest (Wien): Ethnologische Museen in einer globalisierten Welt
Mareile Flitsch (Zürich): Menschliche Fertigkeiten (skills) als Chance oder Fluch – Das universitäre Völkerkundemuseum als Ort der Auseinandersetzung mit Wissen und Können
Anne-Christine Taylor (Paris): Issues of cultural appropriation at the musée
du quai Branly
Termin / Ort
Freitag, 02.10.2009, 09:30 bis 11:00 Uhr und 11:30 bis 13:00 Uhr
Casino Festsaal (Raum 823)